Fahrtgeld erst nachträglich - wir sind pleite!

 
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Fahrtgeld erst nachträglich - wir sind pleite!

 ·  Gepostet: 27.06.2006 - 11:33 Uhr  ·  #1
Hallo, liebe Leute.

Wie die Meisten wissen, mache ich seit nunmehr drei Monaten ein Praktikum, bei dem ich Leistung erbringe und behandelt werde wie ein Vollangestellter, aber 0 EUR bekomme. Aber was tut man nicht alles für eine Chance...

Die Spritkosten betragen monatlich ca. 300 EUR bei ca. 120km Fahrtstrecke täglich. Aber was tut man nicht alles für eine Chance...

Nur stehe ich jetzt vor dem Problem, dass uns das Geld ausgegangen ist. Denn ich bekomme die 300 EUR Fahrtkostenunterstützung immer erst im Folgemonat(!). Das Amt muss also irgendeine Logik kennen, die ich nicht kenne.

Denn wie soll ein ALG2-Empfänger für ein Praktikum, zu dem er jeden Tag 60km mit dem Auto fährt, 300 EUR allein für Benzinkosten vorstrecken, bei gerade einmal 311 EUR, die er im Monat erhält?! Von den Kosten für Verpflegung, die ich von den 300 EUR zusätzlich bestreiten muss, rede ich noch nicht einmal.

Da unser lieber Fallmanager uns erst heute auf unsere erneute Anfrage, wo denn das Geld bleibe, darauf aufmerksam machte, dass wir kein Geld mehr erhalten, weil wir keinen neuen Antrag gestellt haben - vor 2 Tagen fiel ihm das noch nicht ein und er meinte, das Geld werde sofort angewiesen - sitzen wir nun mit 8 EUR Barvermögen und einem Auto mit Benzin für ca. 70km hier herum.

Meine Partnerin ist nach dem Telefonat sofort zum Jobcenter gerast, um dort den Antrag auszufüllen. Aber ich denke mal, die Auszahlung wird sich um etliche Tage verzögern, und wir haben schon jetzt kein Geld mehr.
Ich habe mich bei meiner Arbeitsstelle fürs Erste abgemeldet, da ich mir nicht einmal mehr das Benzin für die Rückfahrt leisten kann. Der Chef hat mir zwar angeboten, mir Geld zu leihen, aber ob ich das annehmen soll, weiß ich noch nicht. Er hat mir auch überhaupt noch nichts darüber gesagt, ob er mich übernimmt. Und das wird mit jedem Tag, den ich dem Ende des Praktikums näher komme, wohl immer unwahrscheinlicher.

Würde nicht jeder Chef, der einen Praktikanten als Angestellten übernehmen möchte, dies Demjenigen so schnell wie möglich mitteilen, damit dieser so motiviert wie möglich ist? Und würde andersherum ein Chef, der einen Praktikanten nicht übernehmen will, mit dieser Mitteilung nicht bis zum letzten Tag warten, damit der Praktikant bis zum Ende gut mitarbeitet?

Wieso teilt uns ein Fallmanager, mit dem ich regelmäßigen Kontakt habe, nicht mit, dass die Unterhaltszahlungen komplett eingestellt werden, wenn wir doch schon Tage vorher nachgefragt haben, wann das Geld auf dem Konto sein wird? Offensichtlich hat er da überhaupt nicht in die Unterlagen geschaut, sondern einfach pauschal eine Antwort gegeben (erfunden). Liegt es nicht in der Verantwortung eines Fallmanagers, sich um seine "Schäfchen" zu kümmern? Zumal meine Partnerin bisher jedesmal vor Auslauf der Zahlungen ein Schreiben erhielt, dass sie einen neuen Antrag stellen muss.

Welchen Sinn das Ganze haben soll, ist sowieso fraglich. Vermutlich soll genau so etwas passieren, damit der Staat immer mal wieder kein Geld zahlen muss, weil ein Leistungsbezieher in der Flut der Bürokratie untergeht und etwas abzugeben vergisst.

ALG2-Empfänger werden ja mittlerweile in der Öffentlichkeit mehr oder weniger offen als Menschen zweiten Grades behandelt. Da wird von Leistungserschleichung geredet, als sei es der Normalfall und nicht die Ausnahme, um die es sich nachweislich handelt. Es wird ohne Umschweife gesagt, dass man Alles tue, um den Leistungempfängern möglichst wenig Geld zu geben und alles auszunutzen, um eine Zahlung ausfallen zu lassen oder zumindest zurückzuhalten. Dass es sich um Existenzen - sehr oft mit Kindern - handelt, welche dadurch vielleicht endgültig abrutschen, weil das Telefon gekündigt, die Miete nicht gezahlt wird, den Kindern nicht einmal das Nötigste gekauft werden kann, scheint den Verantwortlichen herzlich egal zu sein. Sie selbst betrifft es ja auch nicht.


Ich behaupte mal, dass die Verluste, die der Staat durch Steuerschlupflöcher und ähnliche selbstverschuldete Lücken in der Gesetzgebung verursacht, zigtausendmal höher sind als alle zuviel gezahlten H4-Leistungen! Aber da trauen sie sich ja nicht ran, denn das ist die Industrie mit einer Lobby.
Den H4-Opfern jedoch hilft Niemand, denen kann man immer weiter den Hals zudrücken.

Ich habe die Schnauze sowas von voll, wenn ich diese ganzen unfähigen Politikernasen sehe, die sich lieber ihre Diäten erhöhen, statt auch nur für 5 Minuten sozial verantwortlich, weitblickend und intelligent zu handeln.

Wir haben die Misere in unserem Land allein den politischen Entscheidungen der letzten 20 Jahre zu verdanken. Aber musste jemals ein Politiker dafür büßen?

NEIN, büßen müssen wir Bürger, und Diejenigen am meisten, die es am härtesten getroffen hat.

Was können/müssen wir tun, damit wir etwas an der Politik ändern können? Ich trete glatt in eine Partei ein, wenn das etwas bringt.

Gute Vorschläge sind jederzeit willkommen.

Grüße
Thomas
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Re: Fahrtgeld erst nachträglich - wir sind pleite!

 ·  Gepostet: 27.06.2006 - 13:24 Uhr  ·  #2
Das ist ein Fall für unsere Presseabteilung! Die hat bestimmt genügend Erfahrung im forumlieren von Meldungen die solche Themen behandeln.

Du weißt doch, H4 bedeutet ja nicht "Fördern und Fordern" sondern "Fordern und Hängenlassen"!
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Re: Fahrtgeld erst nachträglich - wir sind pleite!

 ·  Gepostet: 27.06.2006 - 20:00 Uhr  ·  #3
@Thomas
zuallererst: du hast mein vollstes mitgefühl und ich kann deine wut verstehen.
auch ich bin der meinung, wenn man jemanden in ein vollzeit-praktikum steckt, für das er am tage 120 km fahren muß, zahlt man ihm entweder im voraus eine fahrkarte (falls der einsatzort mit der bahn zu erreichen ist) oder er bekommt wöchentlich im voraus das benzingeld gezahlt. falls er dann seinen pflichten nicht nachkommt und nicht zum praktikum erscheint oder krank ist, wird die entsprechende kohle eben von der nächsten zahlung abgezogen. glaubst du, ich wäre auch nur einen meter in richtung münchen gefahren mit der bob, wenn ich nicht die fahrkarte im voraus ausgehändigt bekommen hätte?! normalerweise muß alles, was mit sonderleistungen zu tun hat (porto für bewerbungen oder für angeforderte formulare etc.) vom amt im voraus gezahlt werden, da diese ausgaben nicht im regelunterhalt einbegriffen sind. aber sie haben es ja gerne andersrum (ich weiß, daß das doppeldeutig ist). aber ich denke, das wäre eine verhandlungssache mit deinem fallmanager - und wenn der nicht auf der "brennsuppn dahergschwommen" ist und zwischen seinen ohren noch widerstand spürt (bei den meisten herrscht dort absolutes vakuum) - sollte ihm klar sein, daß es so nicht funktionieren kann und das es sehr demotivierend ist, wenn man arbeitet für lau und zusätzlich schlechter dran ist, als wenn man mit ner pulle bier in der hand vorm tv abhängt.
soweit meine tröstenden worte für dich.

nun zu der anderen sache: der fallmanager ist nicht für die zahlung deiner stütze zuständig! er soll dich in arbeit bringen und dir nach möglichkeit den weg dazu ebnen. er kommuniziert auch mit deinem sachbearbeiter - (der ist für die auszahlung der stütze zuständig) und sagt ihm, daß du dich ausreichend um arbeit bemüht hast und das von seiner seite aus keine gründe für eine kürzung vorliegen - das war aber auch schon alles. und eine aufforderung zur abgabe des folgeantrags per post mit den dazugehörigen formularen hat es hier in miesbach auch nur einmal gegeben, nämlich nachdem h4 ein halbes jahr lief und die selbst noch nicht so genau bescheid wußten! jetzt ist jeder selbst dafür verantwortlich, den folgeantrag rechtzeitig zu stellen und sich die formulare zu besorgen! klar hast du recht: da steckt methode hinter!
irgendwie muß man uns ja immer wieder zeigen, wo wir hin gehören! und da erst ab antragstellung weitergezahlt wird, kann dich die verspätete abgabe schon mal ein paar tage (oder wochen!) stütze kosten! also immer schön in den kalender eintragen und nicht übersehen!

du fragst, was man gegen diese politiker machen kann, die uns so drangsalieren und kriminalisieren!?: auf nach berlin in den bundestag! alle 7 millionen! die türen des plenarsaals zuhalten und rauf in die kuppel! oben die hosen runter (da haben wir ja schon erfahrung!) und die da unten zuscheißen, bis sie unterkante oberlippe in derselben stecken! leider nur ein wunschtraum - denn wer von uns hartzis hat soviel kohle, nach berlin fahren zu können (und dann noch genügend kohle, um was futtern zu können, was man als abfallprodukt von der kuppel in den plenarsaal fallen lassen kann). wenn ich eine praktikable antwort wüßte, hätte ich die schon längst publik gemacht!

zum abschluß: nicht aufgeben, nicht den kopf hängen lassen! wer sich nicht wehrt, ist selbst schuld! versuche, deinen "bewährungshelfer" zu überzeugen, daß du für den job den kopf frei brauchst und es dir probleme macht, wenn du - obwohl du acht stunden arbeitest und dann noch mindestens eineinhalb stunden arbeitsweg hast - dir noch sorgen machen mußt, wo du die kohle für den sprit und die frühstückssemmel herbekommst.

@engel
auch bei uns in miesbach haben sie das mit dem fordern sehr schnell begriffen - haben aber probleme, das "Ö" auszusprechen . . .

so long
 
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